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Lehrdiplom (I)
In verschiedenen Kantonen wird für Homeschooling ein Lehrpatent verlangt. Diese Forderung ist jedoch nicht nachvollziehbar. Denn: Wenn eine Lehrperson, die an einer öffentlichen Schule 20 "fremde" Kinder betreut, die gleichen Voraussetzungen mitbringen muss, wie eine Lehrperson, die zu Hause ihr eigenes, bestens vertrautes Kind unterrichtet, dann widerspricht das jeglicher Logik.

Es ist für jeden verständlich, dass der Aufwand, die Methoden, die Zeit, die man pro Schüler hat, usw. in einem Klassenverband mit 20 Schülern völlig anders und ungleich höher ist. Wenn man also an die Lehrperson dennoch die gleichen Anforderungen stellt, so sagt man damit entweder, dass die Lehrperson, die zu Hause unterrichtet deutlich überqualifiziert ist; oder aber man müsste zum Schluss kommen, dass die Lehrpersonen an der Schule unterqualifiziert sind - Letzteres wollen wir nicht unterstellen, folglich bleibt nur noch die erste Annahme.

Insbesondere im Kindergarten und in den ersten Primarklassen wird die Unlogik dieser Forderung noch deutlicher sichtbar, wenn man einmal solche Lektionen live erlebt hat und/oder wenn man das Lehrmaterial kennt. Im Normalfall ist jede Mutter (und jeder Vater), die (der) es sich gewohnt ist, ihr (sein) Kind zu betreuen, zu begleiten, zu fördern, in der Lage, diesen geforderten Unterricht abzudecken (wenn sie/er sich ein wenig damit auseinander setzt) - dazu braucht es kein Studium.

Interessant ist auch, dass die Kantone diese Regelung ganz unterschiedlich handhaben, dies bestätigt die Unlogik dieser Forderung. Während beispielsweise im Kanton Aargau kein Lehrdiplom erforderlich ist (und es nach jahrelanger Praxiserfahrungen auch keine Anzeichen auf eine Änderung dieses erfolgreichen Modells gibt), wird nur paar wenige Kilometer nebenan in Nachbarskantonen ein Lehrdiplom verlangt - als ob die Eltern im Nachbarskanton weniger gut ausgerüstet wären, als die Eltern im Kanton Aargau.

Und wenn ein Kind nur dank der diplomierten Lehrperson die nötigen Fähigkeiten sich aneignen könnte, dann dürfte es eigentlich keine Kindergärtner geben, die bereits lesen, schreiben oder rechnen können - schliesslich wurden sie noch nie von einer diplomierten (stufengerechten) Lehrperson entsprechend unterrichtet.

Zudem hat man in der Wirtschaft längst erkannt, dass ein Diplom höchstens eine Hilfe, nie aber der entscheidende Faktor sein kann, die Fähigkeiten einer Person zu beurteilen bzw. einzuschätzen. Wer beispielsweise zwar ein Diplom hat aber keine Praxiserfahrung, ist kaum 'besser', als jemand, der zwar kein Diplom, aber jahrelange Erfahrung mitbringt. Eltern, die ihre Kinder intensiv betreuen, weisen natürlicherweise viele Praxis-Erfahrungs-Jahre auf und wissen deshalb bestens, was das Kind braucht.

Wenn man dann noch weiss, dass nur ein Bruchteil eines erfolgreichen Unterrichts vom fachlichen Know-how und der viel grössere Teil auf der Beziehungsebene stattfindet (siehe auch Ausführungen zu unter Beziehung/Bindung), so wird klar, dass von Volksschul-ämter und Bildungsdirektoren dem theoretisches Wissen (und somit einem Diplom) eine (noch) viel zu grosse Beachtung geschenkt wird.

In unserem Kanton beispielsweise hat die zuständige Behörde auf die Frage, wieso ein Lehrdiplom verlangt wird, zur Antwort gegeben (sinngemäss): "Weil dies so in unseren Richtlinien steht." In Anbetracht, dass diese "Richtlinien" von der Behörde selber erstellt wurden, eine eher dürftige Antwort - oder anders gesagt: Eine Antwort, welche aufzeigt, dass die sachlichen Argumente hierzu fehlen.

Fazit: Wenn für eine Lehrperson, die zu Hause unterrichten will, die genau gleichen Anforderungen gestellt werden, wie für eine Lehrperson an der öffentlichen Schule, und dies, obwohl es Kantone gibt, die längst beweisen, dass dies nicht nötig ist, und obwohl es unzählige Kinder gibt, die beweisen, dass sie auch ohne diplomierte Lehrperson etwas lernen konnten, so nur, weil man damit Homeschooling faktisch verhindern will - und nicht, weil es eine sachliche Erklärung dafür geben würde.

 

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